Symbol der wissenschaftlichen Geburtshilfe: die Geburtszange

Signatur: Gyn. 56

Geburtszange nach Naegele
Erstbeschreibung um 1820
Länge: 39cm

Lange galt die Geburtszange als Symbol der gelehrten, wissenschaftlichen und erfolgreichen Geburtshilfe, als Instrument, das auch in schwierigen Situationen die Rettung von Mutter und Kind ermöglicht. Auf der anderen Seite wird dieses Instrument – wahrscheinlich entwickelt von Peter Chamberlen I (gest. 1631) um 1600 – auch als Symbol des Zugriffs der Männer auf das Geburtsgeschehen interpretiert. Unter dieser Perspektive wird die Geburtszange in der Geschichtsforschung pointiert auch als „Waffe“ der Geburtshelfer gegen die weiblichen Hebammen und als Motor für eine immer weiter gehende Medikalisierung der Geburt angesehen.

Das Instrument, das Franz Carl Naegele (1778-1851), Professor für Geburtshilfe in Heidelberg, um 1820 konstruiert hatte, kombinierte die Vorzüge verschiedener älterer Modelle und entwickelte sich zum Standardmodell der Geburtshelfer im deutschsprachigen Raum. Diese Geburtszange war dem kindlichen Kopf und der Anatomie des weiblichen Beckens gut angepasst. Das Zangenschloss fixierte die zwei Branchen sicher und der Griff bot sicheren Halt selbst bei größerer Kraftentfaltung. Zunächst wurde die Zange noch mit Holzgriffen konstruiert, später ganz aus Metall. Das abgebildete, verchromte Modell wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gefertigt.

Informationen zum Besuch der Ausstellung:

Aufgrund der sich wieder verschäfenden Corona-Pandemie ist ein Besuch der medizinhistorischen Ausstellung ab dem 29.11.2021 bis auf weiteres nicht mehr möglich. Auch die öffentlichen Führungen finden nicht statt.

Wir informieren Sie an dieser Stelle, sobald ein Besuch wieder möglich ist.

Ihr Sammlungsteam